Gerhard Novak

Abschied von Gerhard Novak

Mit großer Traurigkeit muss ich heute den Tod unseres Höhlenfreundes Gerhard Novak vermelden. Gerhard hat wie kein anderer vier Jahrzehnte lang den Heubacher Höhlenverein geprägt; „Arge Rosenstein“ und „Gerhard Novak“ waren quasi Synonyme. Ich hatte die Chance, gut die Hälfte dieses Weges gemeinsam mit Gerhard zurückzulegen und kann auf viele zusammen durchgestandene Höhlenabenteuer zurückblicken. Gerhard war ein besonderer Mensch, was sich unter anderem auch daran zeigt, dass er sich bei der Gründung der Höhlenforschergruppe mit 35 Jahren schon in einem Alter befand, in dem sich durchschnittliche Höhlenforscher bereits wieder aus dem Hobby zurückgezogen haben. Gerhard hat da erst richtig losgelegt.

Am Fuße des Rosensteins aufgewachsen, kam Gerhard schon früh mit den Höhlen in Kontakt. Der intensiven Beschäftigung mit Höhlen standen aber zunächst noch andere Interessen und Verpflichtungen gegenüber wie z.B. Gerhards frühe Laufbahn im Amateur-Boxsport und ein längerer Arbeitsaufenthalt in der Schweiz. Es dauerte noch bis zum Ende der 1970er Jahre, bis er sich von seiner anderen Passion kommend, der Astronomie, der Höhlenwelt zuwandte. Im Jahr 1979 erblickte die Höhlenforschergruppe Heubach das Licht der Welt und natürlich war Gerhard der Antrieb dieses Konglomerates. Los ging es auf dem Rosenstein und den anderen Bergen rund um Heubach, bevor die Gruppe sich für die nächsten Jahre der Salzgrabenhöhle bei Berchtesgaden widmete, welche damals die längste Höhle Deutschlands war. Gerhard interessierte sich u.a. für das Klima in Höhlen und in der Salzgrabenhöhle hatte er immer Geräte dabei, um Temperatur, Luftfeuchtigkeit und die Windgeschwindigkeit zu messen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen flossen später in eine gemeinsame Veröffentlichung ein. Kritische Situationen mussten gemeistert werden, etwa als sich die Gruppe unter Gerhards Führung knapp aber erfolgreich vor einem Hochwassereinbruch in der riesigen Höhle in Sicherheit bringen konnte.

Überhaupt, Gerhard war gut darin, Rückschläge wegzustecken. Ein komplizierter Knochenbruch, zugezogen bei einem Absturz beim Klettertraining der damals noch unerfahrenen Höhlenforscher, konnte ihn nicht lange aus der Bahn werfen. Auch als sich in den frühen 80er Jahren ein Teil der Mannschaft mit den Worten „Tschüss, deine Konkurrenz“ aus dem Staub machte, überbrückte er die Durststrecke erfolgreich, bis er neue Mitstreiter um sich sammeln konnte. Dazu zählte ab 1985 auch ich und an die erste gemeinsame Höhlenbefahrung, es war die Heinrichshöhle am Rosenstein, erinnere ich mich so gut, als ob sie erst gestern stattgefunden hätte.

Gerhard Novak: Der Kameramann.
Gerhard Novak: Nicht nur als Kameramann immer über alles im Bilde!

Bereits in unserem ersten gemeinsamen Höhlenforscherjahr unternahmen wir beinahe 100 Touren in der näheren und weiteren Umgebung von Heubach! Für Gerhard war es ganz selbstverständlich, mich werktags nach der Frühschicht abzuholen und noch eine schnelle Höhlenbefahrung durchzuziehen.

Im Jahr 1987 wurde die bis dahin lose Gruppe, die sich inzwischen Höhlenkundliche Arbeitsgemeinschaft Rosenstein nannte, ins Vereinsregister eingetragen und Vorsitzender wurde, natürlich, Gerhard. Diesen Posten hatte er, mit einer kurzen Unterbrechung in den späten 90er Jahren, bis 2019 inne.

Noch 1987 wurden die Forschungen in der Salzgrabenhöhle abgeschlossen und der Verein versuchte, im Tennengebirge in Österreich Fuß zu fassen. Leider hat das aus verschiedenen Gründen nicht geklappt. Es folgten Touren nach Frankreich und in die Schweiz, immer mit Gerhard. Haupttätigkeitsfeld blieb aber stets die Schwäbische Alb und ganz besonders die Umgebung von Heubach. Dort glückten uns viele Neuentdeckungen und Gerhard war immer einer der ersten, der seine Nase in den Höhlenwind hielt.

Es gibt sogar eine Höhle, die Gerhards Namen trägt: Auf der Postalm in Österreich legte er den Eingang einer bis dahin unbekannten Höhle frei. Bei der Erforschung im Oktober 1989 war er zwar nicht dabei, aber längst hatte sich die Bezeichnung „Gerhardloch“ für die etwa 90 m lange Wasserhöhle etabliert und so ist sie auch im Höhlenkataster registriert und im legendären „Salzburger Höhlenbuch“ publiziert worden.

Gerhard interessierte sich für Höhlentiere und Fledermäuse und arbeitete der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg zu, der er regelmäßig die Bestandsdaten aus Fledermausquartieren übermittelte. Mit Vorträgen arbeitete er daran, in der Öffentlichkeit für die nächtlichen Jäger zu werben.

Gerhard Novak in seinem Element
Gerhard Novak in seinem Element.

Gerhards besonderer Verdienst aber waren die Höhlenführungen. Schon in den 80er Jahren war ihm klar, dass Höhlenschutz bei den ganz jungen Menschen ansetzen muss. Von da ab wurden Jahr für Jahr im Rahmen des Sommerferienprogramms der Heubacher Schulen und Vereine Touren in die Höhlen am Rosenstein angeboten, bei denen die Kleinen interessantes über die Höhlen und ihre tierischen Bewohner lernen konnten. Später wurde das Exkursionsangebot noch ausgebaut, was im Verein keineswegs unumstritten war. Einige aktive Forscher hatten die Befürchtung, dass dabei die eigentliche Höhlenforschung zu kurz kommen könnte.

Gerhard war ein bodenständiger, geselliger Typ und nie um einen flotten Spruch verlegen. Wir vom „harten Kern“ des Vereins haben so manches Mal die Nacht zum Tage gemacht und der eine oder andere Vereinsabend endete erst um Zehn – am nächsten Morgen.

Obwohl Gerhards Gesundheit in späteren Lebensjahren nicht mehr die beste war und er sein Engagement bei den Höhlenführungen herunterfahren musste, wirkte er noch lange in seiner Rolle des Vereinsvorsitzenden als Organisator und Planer im Hintergrund. Erst 2019 musste er aufgrund seiner Gesundheitsprobleme auch diese Aufgabe abgeben. Bei unserem letzten Treffen hat sich Gerhard in seinem unverwüstlichen Humor noch selbst über seine Gebrechen lustig gemacht und Optimismus verströmt.

Nun hat Gerhard uns kurz vor seinem 76. Geburtstag für immer verlassen aber wir als seine Freunde und Höhlenkameraden werden ihn in guter Erinnerung behalten.

Kameradschaft
Kameradschaft! Ganz links: Gerhard Novak.